Lidl erhält vom Obersten Kanarischen Gerichtshof grünes Licht für seine Discounter-Märkte auf den Kanaren

In jahrelangen gerichtlichen Auseinandersetzungen hat Lidl vor einigen Monaten einen Teilerfolg erzielt und die Genehmigung zur Gründung einiger Filialen auf den Kanaren erhalten; allerdings nicht als Discounter, sondern als Supermarkt. Und dies nur unter speziellen Auflagen hinsichtlich Verkaufsfläche und Größe auch des Sortiments sowie der Mitarbeiterzahl.

Seitdem wird auf Teneriffa, Gran Canaria, Fuerteventura und Lanzarote gebaut; und sogar auf der Lidl-Baustelle auf Lanzarote (neben Ikea) gibt es zwischenzeitlich Bewegung, wenn auch mit großer Verzögerung. Bislang wurde jedoch noch kein Lidl-Markt eröffnet. Der Grund lag in den permanenten Widerständen von Seiten der Kanarischen Regierung, die ständig neue rechtliche, aber umstrittene Schritte unternommen hat, um Lidl an der Eröffnung seiner Märkte auf den Kanaren zu behindern.

Nun hat der Oberste Kanarische Gerichtshof entschieden, dass für die Lidl-Märkte alle erforderlichen Lizenzen zur Eröffnung vergeben werden müssen, und dass darüber hinaus einige der bestehenden Auflagen rechtswidrig seien, wodurch nun auch grünes Licht für zumindest Discount-ähnliche Strukturen gegeben wurde.

Große Unterstützung für die Lidl-Expansion Richtung Kanaren gab und gibt es auf Lanzarote von Seiten der Verbraucher bzw. der Verbraucherschutzorganisationen, denn der hiesige Lebensmittelmarkt ist kein Markt mit mehreren Wettbewerbern, sondern die extrem hohen Preise für zahlreiche Produkte werden von nur zwei Anbietern diktiert, die sich zudem oder deswegen erlauben, oftmals äußerst schlechte Qualität anzubieten. Die beiden Platzhirsche sind

– ‘Agrucan’, eines der größten, kanarischen Unternehmen, das die Lizenzen zum Betreiben der (Euro-)Sparfilialen hält und auf Lanzarote an der Marcial-Kette beteiligt ist, zu der wiederum Cashmar gehört (Agrucan-Beteiligungen auf Fuerteventura: José Padilla Francés, Gran Canaria: Cencosu, Teneriffa: La Venta Nueva und La Palma: Tomás Barreto – jeweils zu 20%).

– ‘Fondos Permira’, eine Equity-Gesellschaft, die Betreiberin u.a. des Supermarktriesen Dinosol mit seinen Ketten Hiperdino, Netto und Cash Diplo ist.

In diesen Gesellschaften mischen sehr mächtige kanarische Familien mit, die sich im Kampf um Macht und Pfründe so schnell nicht geschlagen geben. Bleibt also abzuwarten, welche Steine Lidl nun noch in den Weg gelegt werden, um die Platzhirsche speziell auf den kleineren Inseln weiterhin gut abzuschotten.

Auch bleibt abzuwarten, welche Politik von Lidl-Canarias praktiziert wird, und welche wirtschaftlichen Auswirkungen ein Discounter (o.ä.) auf die zahlreichen, kleinen Einzelhändler der Insel haben wird.

Durch seine ausbeuterische und gesetzeswidrige Personalpolitik sowie durch seinen ruinösen Preisdruck auf die Hersteller seiner Waren ist Lidl zum Inbegriff geworden sowohl des modernen Sklaventums, als auch der “Geiz-ist-geil-Mentalität“, die in der deutschen Gesellschaft tief verwurzelt ist. In Deutschland wurde – nicht nur durch Lidl – der kleine Einzelhandel weitestgehend verdrängt. Vor diesem Hintergrund bleibt das Vorhaben von Lidl, sich auch auf den Kanaren auszubreiten, sehr umstritten.

Auf der anderen Seite unterscheidet sich die spanische und kanarische Mentalität deutlich von der deutschen Pfennigfuchserei, obwohl das Einkommensniveau insbesondere auf den Kanaren weit unter den deutschen Einkommen liegt – bei generell wesentlich höheren Lebensmittelpreisen. Trotz ihrer deutlich geringeren Kaufkraft bevorzugen viele Insulaner zumindest für den täglichen, kleinen Einkauf den Tante-Emma-Laden um die Ecke, nicht zuletzt auch, um die neuesten Informationen auszutauschen. An dieser Mentalität wird wohl auch ein Lidl nichts ändern.

Für den größeren Einkauf steuern auch die Einheimischen regelmäßig die großen Supermärkte an, und werden in Zukunft mit Sicherheit keinen Bogen um Lidl machen, denn die Diskussionen und politischen Auseinandersetzungen um Lidl haben für eines gesorgt: Für eine exzellente Lidl-Werbung, denn hier kennt mittlerweile jedes Kind Lidl, ohne jemals einen Lidl-Markt gesehen zu haben.