Offener Protestbrief einer Umweltschutzgruppe an die Teilnehmer des Kongresses zum Thema Biosphären-Reservate

Gestern ist ein offener Brief der seit 20 Jahren aktiven Umweltschutzgruppe “El Guincho-Ecologistas en Acción“ an die Teilnehmer des zur Zeit stattfindenden Kongresses veröffentlicht worden. Darin werden die seit Jahren verkündeten leeren Versprechungen, nicht eingehaltenen Vorsätze und nie umgesetzten Vorhaben zum nachhaltigen Schutz der Insel ebenso aufgelistet wie zahlreiche, nach wie vor ungeahndete Umweltsünden und Umweltskandale. Es folgen nur einige, zusammen gefasste Auszüge:
  • 1991 wurde der Raumordnungsplan von Lanzarote (Plan Insular de Ordenación de Territorio) verabschiedet. Die Inselregierung habe dennoch nichts gegen den Raubbau unternommen, der mit jeder Baggerschaufel erfolge: Sand, Strand, Steine und Erde würden nach wie vor ohne jegliche Kontrolle abgebaut und Bauschutt abgelagert werden. Mehr als 300 – offizielle – Schutthalden würde es auf der Insel geben. In diesem Zusammenhang lädt die Umweltschutzgruppe zu einer Art alternativen Erkundungsfahrt ein – von Arrecife bis Tinajo – vorbei an betroffenen Gebieten; und auch vorbei am Timbaiba-Gebiet, auf dem der Bürgermeister von Tinajo eine Rally-Strecke bauen möchte, obwohl sich dort laut Expertise von Dr. Meco der bedeutendste Vulkankegel der Kanaren aus paläontologischer Sicht befindet.
  • 1991 wurde die Notwendigkeit der Gründung einer Kommission zur Überwachung der Bauaktivitäten festgeschrieben, die es jedoch nach wie vor nicht geben würde;
  • 1998 wurde von der Inselregierung ein 28-Punkte-Strategieprogramm zur Durchsetzung einer nachhaltigen, einem Biosphären-Reservat gerecht werdenden Entwicklung der Insel verabschiedet. Kein einziger Punkt sei bislang umgesetzt worden;
  • am 5. Juni 1999 haben über 300 Bürger vorm Cabildo demonstriert und Aufklärung bezüglich der tatsächlichen – also der offiziellen sowie der inoffiziellen – touristischen Bettenzahlen auf der Insel gefordert. Eine Antwort sei die Inselregierung bis heute schuldig geblieben; statt dessen würde weiterhin herum getrickst, indem z.B. touristische Vermietungen umgewidmet würden in Eigentumseinheiten, und trotz weiterer touristischer Nutzung aus der Betten-Statistik heraus genommen würden.
  • dem Urteil des Obersten Gerichtshofs, das Hotel Fariones Playa abreißen zu müssen, sei bislang nicht Folge geleistet worden;
  • dasselbe gelte für ein Urteil aus dem Jahre 1991 bezüglich des Coloradas-Gebietes, das zur Rückgabe von 3000 m² verpflichtet hatte, die im Rahmen einer illegalen Versteigerung durch das Bürgermeisteramt von Yaiza veräußert wurden. Stattdessen wurde dieser Bereich sogar bebaut; und zwar mit dem Hotel Papagayos Arenas, das nun angeblich enteignet und abgerissen werden solle. Seinerzeit seien zig Anzeigen gegen den Bau erstattet worden, die allesamt ignoriert wurden und folgenlos geblieben seien;
  • in der Angelegenheit des öffentlichen Dünengebiets im Bereich der Playa de los Pocillos, das 1986-87 einfach überbaut wurde durch ein Hotel, sei bislang ebenfalls noch nichts geschehen;
  • die von Cesar Manrique geschaffene Parkanlage „Parque Ilsas Canarias“ in Arrecife musste einem Parkhaus weichen, obwohl das Oberste Gericht diese Art der Bebauung als rechtswidrig erklärt habe;
  • der Bau der Marina Rubicón (Playa Blanca) sei ein Affront gegen den Umweltschutz und die Bewohner dieses Küstenbereichs, denn er sei ohne jede Rücksichtnahme erfolgt. Und dort, wo angeblich ein Zentrum für Wassersportarten hätte entstehen sollen, stehe heute ein Einkaufszentrum;
  • die Abgase der großen Mülldeponie/Müllverwertungsanlage der Insel (Zonzamas) vor den Toren von Arrecife würden ständig die Luft der Stadt verpesten;
  • alle statistischen Zahlen zur Produktion bzw. zum Verbrauch von Öl und Energie weisen enorme Wachstumsraten auf; mit Ausnahme derjenigen der beiden Windenergieparks: Los Valles: 1993: 8.000.0000 Kw, 2004: 5.000.000 Kw Montaña Mina : 1998 : 4.366.000, 2005 : 3.677.000 Kw;
  • der Wasserverbrauch sei ebenfalls stark angestiegen: von 6.838.026 m³ in 1993 auf 19.151.174 m³ im Jahre 2004.
Insgesamt werde der Status eines Biosphären-Reservats als Marketinginstrument zur weiteren, expansiven touristischen Nutzung der Insel eingesetzt, anstatt sich tatsächlich dem Umwelt- und Naturschutz zu verpflichten. Und auch den Organisatoren des Kongresses wird vorgeworfen, sie würden lediglich die schöne Seite der Medaille betrachten: die Nationalparks, die Meeresreservate und andere idyllische Plätzchen und Lebensräume, und zwar so, als ob es um die Erhaltung eines Urlauberparadieses und nicht um den Schutz der Insel gehen würde.