Senegal – Kanaren: ein Angehöriger von Immigranten berichtet

Die große senegalesische Tageszeitung „le soleil“ hat für einen Artikel den Ingenieur Abdou interviewt, dessen 4 Brüder – Fischer von Beruf – vor 2 Wochen in Richtung Kanaren aufgebrochen waren. Die Online-Tageszeitung „diariodelanzarote“ hat den Artikel für eine Meldung vom 29.5.2006 zugrunde gelegt: 1500 km Seeweg sind zurückzulegen, um von Saint Louis (Senegal) zum vermeintlichen Paradies zu gelangen. Für erfahrene, senegalesische Fischer – also auch für seine 4 Brüder – seien so lange Ausfahrten absolute Routine, erklärt Abdou. Schließlich würden sie regelmäßig in See stechen, um die westafrikanische Küste bis Sierra Leone oder Liberia*) abzuklappern und Beute zu machen. Solche Touren dauern ca. 2 Wochen. Langstreckenerfahrung sei also vorhanden. Für die Überfahrt auf die Kanaren, so erklärt er weiter, würden die „Organisatoren“ stets sehr gute und neuwertige Boote einsetzen, die hochseetauglich seien. Mindestens 12.000,- € würden investiert werden: ab 4.500,- koste ein Boot, und wegen der Tücken der Technik würden vorsorglich nicht nur zwei – abwechselnd eingesetzte – Motoren à 3.000,- bis 4.000,- Euro, sondern auch Ersatzteile mitgenommen werden. Hinzu kommen noch ca. 1500 Liter Diesel. Die Passagiere zahlen für die Überfahrt 800,- € pro Kopf. Wer sich an Bord nützlich machen und z.B. navigieren kann und dafür eingesetzt werde, zahle nur 350,- €. Ein Koch kümmere sich um die Verpflegung. Bei 50 Immigranten pro Boot würden ca. 30.000 € umgesetzt. 18.000,- seien Kosten; und 12.000,- fließen in die Taschen der Organisatoren. Boote mit bis zu 75 Immigranten würden einen Gewinn von bis zu 30.000,- € bringen. ——- Im spanischen Text stehen keine weiteren Informationen. Und da bin ich ziemlich erschrocken, denn die Überfahrt liest sich beinahe wie eine romantische Kreuzfahrt mit Vollverpflegung, bei der es nur Gewinner gibt. Der Originaltext im „le soleil“ ist ausführlicher und hat ein offenes Ende: Abdou, hat schlaflose Nächte, denn er wartet noch immer auf einen erlösenden Anruf… Und seine Brüder seien nicht die einzigen, die riskieren, im „Bauch des Ozeans“ zu sterben, ….womit der Buchtitel von Fatou Diome zitiert wurde: „Der Bauch des Ozeans“ *) ..nichts Genaues weiß man nicht, denn Freetown, die Hauptstadt von Sierra Leone, wurde in der Nachricht als liberianische Stadt bezeichnet – und dies bereits im originalen Nachrichtentext der senegalesischen Tageszeitung „le soleil“….