Teguise – Touristenfalle Palacio del Marqués

Teguise

Restaurantwarnung

Gemeinde: Teguise

Gleich links hinter dem breiten Entrée öffnet sich ein wunderbares Speisezimmer. Mit guter Tischwäsche, schönen Tellern und edlem Kristall gedeckte Tische wecken in uns Erinnerungen an französische Sterne-Restaurants. Leider verwehrt eine Kordel mit der Beschriftung „PRIVADO“ den Zugang, so dass wir zum üppig bewachsenen Patio weitergehen, flankiert von zahlreich geöffneten Weinkisten. Einige Weinhändler in Hamburg – und gewiss auch anderswo – präsentieren so ihre Ware; eine prima Idee der Händler, finde ich. Die Tische im Innenhof wurden nicht mit Stoff ausgestattet, so dass sie die Oberfläche recht hübscher Kacheln preisgeben. Eine Speiskarte fehlt, dafür überreicht der freundliche Kellner eine mehrseitige Hochglanz-Broschüre, in welcher lobende und überschwängliche Worte über Gasthaus und Gastgeber abgedruckt sind. Danach rät der charmante Herr zu einem Tapas-Teller nach Art des Hauses und einem frischen Wein.

Die ruhige Atmosphäre, die Sonne im Zenit und das schattige Plätzchen lassen die Zusage leicht fallen. Sechs Oliven mit zwei Zahnstochern werden als Aufmerksamkeit des Hauses gekonnt gereicht, eine Flasche Wein entkorkt und ein Probeschluck eingegossen. Der Hinweis, wir hätten lediglich 2 Gläser bestellt, pariert der Kellner gekonnt: Bitte bedienen Sie sich ganz nach Ihrem Wunsch!

Nachdem sich der als fruchtig frisch und trocken beschriebene Wein als weitgehend aromafreies Traubenprodukt – zugegeben recht trocken war er – zu erkennen gibt, begrenzen wir den Konsum auf die angekündigte Menge.
Und da erreichen uns auch schon die Tapas-Teller: 4 in Ministückchen reduzierte Käsescheibchen bestreut mit getrocknetem Oregano. Die Käsequalität verdient keinerlei nähere Beschreibung, Standardware aus dem Supermarkt. Ein Hühnchen-Unterschenkel mit Curry gewürzt. Eine Mini-Graubrotscheibe mit Käse überbacken und Tomatenstückchen, aromatisch nahe an der Tiefkühlpizza. Einem Streifchen Tortilla. Einem halben gekochtem Ei mit etwas Kaviarersatz. Jeweils ein Teelöffelchen Karotten- und Rotkohlsalat. Ein Röllchen Schinken in dem sich ein Melonenstückchen verbarg und zu guter Letzt ein Fitzelchen tranig fetter Lachs.

Insgesamt kein kulinarischer Genuss, einfache bis mindere Qualität, in einem Ambiente, das mehr verspricht als es hält. Wer Musik aus dem „Cafe del Mar“ mag, wird seine Freude haben, bis zum Zeitpunkt der Rechnungsübergabe. Die Preise orientieren sich an Restaurants mit gehobener Qualität. Für die beiden Tapas-Teller, 2 Gläser Wein und eine 0,5 Liter-Flasche Mineralwasser zahlten wir 36,50 Euro. Wir hielten dies für reichlich überteuert und werden uns zukünftig durch Abwesenheit erkenntlich zeigen.

Nachtrag vom Dezember 2014: Die Verkaufsmasche hat sich bis dato nicht geändert, wie den Tripadvisor-Kommentaren zu entnehmen ist.

*********
Leserkommentar 1 vom 12.9.2007:

Hallo,

ich habe mit Interesse Ihren Bericht über das Palacio gelesen (aber leider erst nachdem wir dort waren). Die Begrüßung lief genau so ab wie Sie es beschrieben hatten. Als Hintergrundmusik liefen aber italienische Opern (vielleicht in Gedenken an Pavarotti). Der Tapasteller war Ihren Beschreibungen ähnlich und hat auch geschmeckt. Was mich allerdings so sehr ärgert, ist dass wir uns überreden ließen, die angefangene Flasche Wein in einer Verpackung mitzunehmen (meine Freundin hatte 2 Gläser getrunken und ich nur Wasser da ich der Fahrer war). Diese Flasche schlug sich mit 22,50 Euro in der Rechnung nieder. Im Internet kann ich die Flasche für 4,70 Euro bei eVino España bestellen.

So standen am Ende für 2 Tapasteller, die Flasche Wein sowie eine Flasche Wasser und einen Kaffe 53,- Euro auf der Rechnung.

Ich werde das nächste mal bei so einer Tour dem Reiseführer von Baedeker nicht mehr alles glauben ;-). Ansonsten ist unser Urlaub nett. (Wir sind in Las Playitas und haben Lanzarote einen Kurzbesuch abgestattet)

Viele Grüße

Andreas & Monika

*********
Leserkommentar 2 vom 8.11.2008:

mit großem Interesse haben wir leider erst nach unserem Urlaub auf Lanzarote im Oktober 2008 Ihre Artikel zu o.a. Restaurant gelesen. Noch heute Ende 2008 fallen die Touristen (wie wir) auf diese Maschen herein. Wir haben ohne Kaffee danach 53 € bezahlt. Der freundliche Kellner Jerome weist noch immer auf seine schlechten Sprachkenntnisse hin und somit bezahlt man zum Schluss
die Flasche Wein statt das Glas, das man eigentlich wollte. Wobei man natürlich großzügiger Weise die Flasche für 21,95 € -1/4 geleert- mitnehmen darf.

Dabei bedient auch ein aus Stuttgart kommender Kellner in perfektem Schwäbisch, so dass es zu diesen Mißverständnissen gar nicht kommen dürfte.

Es war sicherlich ein wunderschönes Ambiente, aber zunächst überwog die Erkenntnis, dass man sich an der Nase hat herumführen lassen; später und vor allem nach den Artikeln haben wir darüber gelacht.

Die Vorgehensweise der Besitzer ist an Cleverness nicht zu übertreffen.

Wir habe auf Lanzarote mit großem Interesse Ihre Nachrichten gelesen. Weiter so.

Mit freundlichen Grüssen
U. W.

4 Gedanken zu „Teguise – Touristenfalle Palacio del Marqués

  1. Den o.a. Kommentaren kann ich nicht beipflichten. Wer sich den Palacio del Marques anschaut wird überrascht sein, was alles in ihm steckt, wenn er die Möglichkeit einer Führung durch den Hausherrn erhält. Die Weine, welche angeboten werden, sind Festlandsweine und keine Inselweine, was aber vorausgesetzt wird, da Herr Jacobs als Weinsammler vorzügliche Weine einkauft. Inselweine können in den unzähligen Bodegen verkostet werden. Sich über den Preis einer Flasche Wein zu ärgern, kann ich nicht nachvollziehen, wenn er geschmeckt hat. Auch bei dem Tappateller, welcher liebevoll zubereitet ist, gibt es nichts zu beanstanden. Es handelt sich schließlich nicht um einen Gourmettempel.

    Mit freundlichen Grüßen

    Hans Egner

  2. Nein Herr Egner, es handelt sich wahrlich nicht um einen Gourmettempel, aber um Gourmetpreise für qualitativ nicht hochwertige Tapaskreationen. So erlebt vor einigen Jahren und immer wieder durch Freunde und Bekannte bestätigt. Ich war letztmalig Anfang Dezember 2014 im durchaus schönen Gemäuer, habe gähnende Leere im Restaurant festgestellt ( Markttag ) und mich schnell wieder nach draussen begeben.

  3. Leider sind die negativen Eindrücke absolut wahr und es wurde des öfteren im Rathaus darüber nachgedacht, wie man diesem für Teguise so negativen, bekannten „Anbieter“ schliessen könnte. Leider hat sich aber niemand die Mühe gemacht, dies einmal anzuzeigen! Schon alleine das Fehlen der Preisliste – ein gesetzliches MUSS – ist schon unmöglich! Man teilte mir mit, dass der Besitzer vor einiger Zeit verstarb und ich hoffe, dass nun dort niemand mehr „über den Tisch“ gezogen wird!! Bei uns hier in Los Valles fühlen sich Wanderer und Ruheliebende wohl und leider passierte es auch denen…

  4. Waren heute am 13.11.2018 in der genannten
    Gaststätte. Es stimmt bei der Frage nach einer
    Speisekarte wurde uns nur ein Tapasteller angeboten, der allerdings war hervorragend. Es ist natűrlich etwas Blindflug wenn man sich auf eine Bestellung ohne Kenntnis des zu erwartenden Preises einlässt, aber die Rechnung in Höhe von 39,50€ für 2 Tapasteller je 1Glas Weiß-und Rotwein war absolut in Ordnung. Wir wűrden die Gaststätte weiter empfehlen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.