Teseguite: Die verfluchte „Casa de María Cruz“

Ruinenraetsel

Die Ruine mit dem Namen „Casa de María Cruz“ befindet sich in Teseguite. Hier ein Foto – im Hintergrund ist El Mojón zu sehen.

In diesem Haus wohnte bis 1919 María del Rosario Cruz Bello (kurz: María Cruz), die nebenan einen kleinen Laden hatte und die Einnahmen immer in ihrem Haus aufbewahrte. An einem Maitag im Jahr 1919 wurde María geköpft im Haus gefunden und ihre Schwester Petra der Tat verdächtigt.

Obwohl es keine Beweise gab und auch die Aussagen der Dorfbewohner nichts weiteres ergaben, als dass die Schwestern sich nicht vertrugen und häufiger Streit hatten, wurde Petra als Mörderin verurteilt und kam ins Gefängnis von Arrecife. Dort wurde sie langsam aber sicher verrückt. Es heißt, weil sie gequält wurde durch Wächter, die sie vergewaltigten und sonstwie demütigten und folterten, und noch darüber hinaus in Angst und Schrecken versetzten, indem sie nachts gruselige Geräusche machten und die Stimme ihrer verstorbenen Schwester nachahmten. Petra wurde schließlich in ein Irrenhaus nach Las Palmas verlegt, wo sie Jahre später gestorben ist. Nach ihrem Tod soll ein Brief aus Buenos Aires gekommen sein: Dabei soll es sich um ein Bekennerschreiben eines Ausgewanderten gehandelt haben, in dem dieser zugab, mit zwei weiteren Männern María umgebracht zu haben.

Wie das hier auf der Insel dann so ist, gibt es noch weitere Versionen vom und um das Geschehen: Z.B. dass die drei Männer, ziemlich angetrunken von einer Fiesta kommend, zum Haus von María gingen mit der Absicht, Geld zu stehlen. María lehnte sich aus einem Fenster, als die drei zum Haus kamen und vorgaben, etwas kaufen zu wollen. In dem Moment zerrte einer der Männer an ihren Haaren, und ein anderer schnitt ihr mit einem Messer den Kopf ab. Sie durchstöberten das Haus nach Geld und wurden fündig. Ein in der Nachbarschaft wohnender Bauer fand die tote María. Die drei Männer gerieten in Verdacht. Da es sich jedoch um im Inselnorden einflussreiche Personen handelte, hielten sich alle verhörten Dorfbewohner sehr bedeckt, weil sie von den Männern unter Druck gesetzt wurden, heißt es. Verhaftet und verurteilt wurde schließlich Petra, obwohl jeder insgeheim gewusst haben soll, dass sie nicht die Mörderin war. Die Mörder lebten weiterhin auf der Insel.

Alle auch sonstigen Erzählvarianten auf einen gemeinsamen Nenner gebracht, wurde María enthauptet in ihrem Haus gefunden, und ihre Schwester Petra verhaftet und als Mörderin zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt. In der Haft ist sie irre geworden, und erst Jahre nach ihrem Tod wurde sie für unschuldig erklärt von einem Richter, der dem Gerücht, dass Petra gar nicht die Mörderin war, auf den Grund gegangen ist.

Es heißt, dass so manche Dorfbewohner Zeit ihres Lebens ein schlechtes Gewissen geplagt haben soll, weshalb um das verfluchte Haus von María lieber ein großer Bogen gemacht wurde.

Die letzten Zeitzeugen im Dorf leben nicht mehr; und vielleicht liegt bald kein Fluch mehr auf der „Casa de María Cruz“, wie das Haus in Teseguite auch heute noch genannt wird.

Im Lauf der Zeit soll es viele – insbesondere ausländische – Kaufinteressenten für dieses damals prächtige, alte Haus im schönen Dorf Teseguite gegeben haben. Die „Casa de María Cruz“ ist bis heute nicht verkauft worden, obwohl stattliche Summen geboten worden sein sollen.