Bodega Stratvs: Die Delinquenten wurden frei gesprochen

Wir haben früher detailliert über die Inselskandale berichtet; mittlerweile sind wir einerseits müde geworden, andererseits fehlen uns zuverlässige, tiefgründige Quellen – siehe letzter Absatz.

Auch aktuell wurde einer der großen ‚Inselmogule‘ – Juan Francisco Rosa – frei gesprochen, obwohl er eigentlich schon längst hätte verurteilt werden müssen. Stattdessen sind seine Vasallen wie u.a. der ehemalige Bürgermeister von Yaiza hinter schwedische Gardinen gekommen. Der gehört zwar auch dorthin; die „erste Linie“ – also die Mächtigen der Insel – blieb und bleibt allerdings hier weitestgehend verschont. Oder die Haftbedingungen wurden auf Freigang gestellt, obwohl dies das Strafmaß theoretisch bei weitem nicht zuließ. Wir haben vor einigen Jahren Dimas Martín (einst Inselpräsident), einen dieser hochkarätigen „Freigänger“, u.a. im Abflugbereich des Flughafens beim Einchecken in einen Flug nach Madrid gesehen und unseren Augen kaum getraut. Und während seiner Haftzeit drängelte er sich vor einigen Jahren im Supermarkt von Guatiza – seinem Wohnort – vor. Wir standen in der Schlange zunächst vor und sodann hinter ihm.

Beim aktuellen Urteil ging es um die Bodega Statvus, die zugegebenermaßen sehr schön ist. Beim Geschmack und bei der Ausführung der Projekte von J.F. Rosa gibt es absolut nichts zu bemängeln – im Gegenteil. Kehrseite: Der große Weinkeller wurde illegal in den Fels/das Gelände getrieben, für das Haupthaus besteht keinerlei Baugenehmigung und zudem wurde ein Teil des Nachbargrundstücks mir nichts dir nichts zum Terrain der Bodega Statvs erklärt und genutzt. Der Nachbar bleibt indes geschädigt.

Die Liste der Bauprojekte von besagtem Herrn Rosa, die jenseits aller Normen errichtet wurden, ist allerdings um ein Vielfaches länger als diese Bodega. Selbst das Kinderparadies „Kikoland“ in Playa Blanca mutiert in diesem Zusammengang fast zu einer Randerscheinung – es wurde zu großen Teilen und zudem illegal auf öffentlichem Gelände gebaut. Das Hotel Fariones in Puerto del Carmen, das in den letzten Jahren erweitert wurde und mit direkter Meeranbindung wirbt, die eigentlich öffentlicher Grund ist, gehört zu den „Vorzeigeprojekten“ so wie auch das Hotel Pincesa Yaiza in Playa Blanca, bei dem nach wie vor Baugenehmigungen für diverse Stockwerke und Anbauten fehlen. Die „Finca de las Salinas“ in Yaiza, einst ein Landhotel und von Rosa erworben, verfällt – hier führten illegale Arbeiten zu einem Baustopp. Da im zuständigen Bauamt seit Jahren niemand mehr und zudem für gar nichts mehr zuständig ist, wird sich daran wohl auch in den nächsten Jahren nichts mehr ändern. Ein weiteres Problem sind die Bauämter, die seit einigen Jahren in Untätigkeit – pardon: Schockstarre – verharren, um bloß nicht in weiteren Verruf zu geraten.

Dass ermittelnde Staatsanwälte in Spanien ein-, ab- und ersetzt werden können – gelenkt von Politikern – ist ein weiteres trauriges Kapitel. Leider kann davon auch César Romero Pamparacuatro ein Lied singen: Ein Staatsanwalt, der mit den krummen Machenschaften so mancher ziemlich schräg agierender Einflussreichen hier aufräumen wollte. Er wurde letztendlich ersetzt durch – …. – willfährige Juristen. Insofern ist hier niemand verwundert über den aktuellen Freispruch.

Es hat sich doch noch nichts verändert an den alten Einflussnahmestrukturen hier. Wir hatten uns anderes erhofft. Eine sehr aktive Journalistin einer hiesigen Online-Lokalzeitung hat leider vor Jahren die Insel verlassen. Wir vermissen sie heute noch. Sie hat seinerzeit für viel Aufklärung gesorgt.