Fragwürdiges Ampelsystem auf den Kanaren eingeführt

Seit gestern gilt ein neues Corona-Warnsystem auf den Kanaren: Die Ampel für eine Insel springt auf Rot, wenn

  • es sich in nur einer einzigen Gemeinde der Insel eine 7-Tage-Inzidenz von mehr als 100 Fällen/100.000 Einwohnern ergibt und
  • es mehr als zwei sporadische Fälle gegeben hat (was auch immer darunter zu verstehen ist. Original „con más de 2 casos esporádicos“) und
  • die Fallzahlen um 10% höher liegen als im Durchschnitt der letzten zwei Wochen.

Die Regelung gilt unabhängig von der Größe einer Gemeinde! D.h. wenn es in unserer kleinen Gemeinde mit insgesamt 5000 Einwohnern zufälligerweise einen Hotspot gäbe, wäre die Wahrscheinlichkeit einer besonders hohen 7-Tage-Inzidenz hier sehr hoch. Die Inselampel würde sodann auf Rot springen, was zu folgenden Einschränkungen in sämtlichen Gemeinden der Insel führen würde:

Veranstaltungen/Zusammenkünfte von nicht mehr als 10 Personen (mit Ausnahme offizieller kultureller Veranstaltungen), gastronomische Einrichtungen müssen spätestens um Mitternacht schließen und dürfen nur bis 23:00 Uhr Bestellungen annehmen, Seniorentagesheime u.ä. müssen schließen.

Bei 4 Inseln ist die Ampel gestern auf Rot gestellt worden; und zwar auf
Gran Canaria, Teneriffa & La Gomera für die folgenden 14 Tage, und auf Fuerteventura für 7 Tage.

Dabei lag die 7-Tage-Inzidenz auf Teneriffa seit der zweiten Welle stets unter 50/100.000 Einwohner. Auf der Insel La Gomera mit nur 21.500 Einwohnern hat es in letzten 7 Tagen insgesamt 9 Fälle gegeben, fast alle in der „Hauptstadt“ San Sebastían de La Gomera. Von den insgesamt 6 Gemeinden dort sind 4 ganz ohne aktuelle Fälle, und die 7-Tage-Inzidenz der Insel liegt derzeit ebenfalls unter 50 (… wobei für Regionen mit deutlich weniger als 100.000 Einwohnern eine entsprechende 7-Tages-Inzidenz – isoliert betrachtet – keinen Sinn ergibt).

Wären auf Teneriffa und La Gomera die Fälle der letzten 7 Tage gleichmäßig auf den Inseln verteilt gewesen, würde die Ampel weiterhin auf Grün stehen …

Wenn das Ampelsystem so genutzt würde, dass nur Hotspot-Gemeinden auf Rot gestellt würden, alle anderen aber auf Grün bleiben könnten, wäre das nachzuvollziehen und sogar sinnvoll.

Die hier praktizierte „Sippenhaft“ aller Inselgemeinden schreckt zudem Touristen ab, selbst auf Inseln wie Teneriffa zu reisen, obwohl sich dort seit Wochen eine vergleichsweise niedrige 7-Tages-Inzidenz ergeben hat.