Bau eines Kernkraftwerks im Süden Marokkos?

Das Thema wird zur Zeit neu aufgelegt: Bereits vor etlichen Jahren plante Marokko den Bau eines Kernkraftwerks – nur 200 km von Lanzarote und Fuerteventura entfernt -, angeblich als Energiequelle für Meerentsalzungsanlagen. Das Vorhaben wurde seinerzeit auf Eis gelegt; nun denkt Marokko wieder laut über eine Realisierung nach. Hier ist ein alter Pressebericht aus dem www, den ich aus der Quelle vollständig herauskopiert habe, bevor sie versiegt:
Umweltschützer auf Kanaren in Sorge wegen marokkanischer Nuklearpläne Von Hubert Kahl (25. 12. 1998) Madrid (dpa) – Die Regierung in Marokko hegt nach Presseberichten Pläne, im Süden des Landes ein Atomkraftwerk zu errichten. Das Vorhaben, das sich noch in der Anfangsphase der Planung befinden soll, stieß auf den Kanarischen Inseln bereits auf erste Proteste von Umweltschützern. Das Kraftwerk soll nämlich bei Tan-Tan an der Atlantikküste im Süden Marokkos in der Höhe der spanischen Ferieninseln Fuerteventura und Lanzarote entstehen. Nach Angaben der in Las Palmas erscheinenden Zeitung „Canarias 7“ soll es sich bei dem geplanten Reaktor um ein relativ kleines Kraftwerk mit einer Kapazität von zehn Megawatt handeln. Der Atommeiler wäre das erste Kernkraftwerk in Marokko. Er soll mit chinesischer Hilfe gebaut werden und dazu dienen, eine Anlage zur Meerwasserentsalzung mit der nötigen Energie versorgen. Das dadurch gewonnene Wasser soll dazu verwandt werden, in dem Wüstengebiet Felder zu bewässern und die Landwirtschaft zu entwickeln. Umweltschützer in Spanien sehen in dem Vorhaben eine potentielle Bedrohung für die Bevölkerung und die Millionen von Touristen auf den Kanarischen Inseln. „Auch von einem kleinen Reaktor können bei einem Unfall erhebliche Gefahren für die Menschen ausgehen“, sagt Carlos Bravo, der Atomkraftexperte der Umweltschutzorganisation Greenpeace in Spanien. Die Inseln Fuerteventura und Lanzarote liegen 200 Kilometer vom geplanten Standort des Reaktors entfernt. Die Regionalregierung der Kanaren wollte sich dazu bislang nicht äußern. Auch die Botschaft Marokkos in Madrid lehnte eine Stellungnahme ab. Der Greenpeace-Experte betrachtet die Entsalzung von Meerwasser nur als einen Vorwand. „In Wirklichkeit geht es Marokko darum, den Einstieg in die Nukleartechnologie zu finden“, meint Bravo. „Eine Entsalzungsanlage ließe sich viel kostengünstiger mit nicht-atomaren Energiequellen betreiben.“ Greenpeace forderte die spanische Regierung auf, zu den angeblichen Plänen Marokkos Stellung zu beziehen. Die Presse auf den Ferieninseln gibt zu bedenken, daß Atomkraftwerke als Energieerzeuger nicht mehr zeitgemäß seien. „In Europa kündigten mehrere Staaten bereits ihren Ausstieg aus der Kernenergie an, in den USA werden seit 20 Jahren keine neuen Atomkraftwerke mehr gebaut“, schreibt „Canarias 7“. „Nun sucht die Atomindustrie, da ihre Kraftwerke in den Industriestaaten auf Ablehnung stoßen, neue Abnehmer in Afrika und Asien.“ Der Bau des Kraftwerks in Marokko würde nach Schätzungen der Zeitung umgerechnet etwa 1,2 Milliarden Mark kosten. Der marokkanische Ministerpräsident Abderrahman Youssoufi hatte China kürzlich einen offiziellen Besuch abgestattet und dürfte dabei auch über die Kraftwerkspläne gesprochen haben. Beobachter in Rabat weisen aber darauf hin, daß das Vorhaben von einer Verwirklichung noch weit entfernt sei. Man spreche auch seit langem schon über den Bau eines U-Bahnnetzes in der Wirtschaftsmetropole Casablanca, ohne daß diese Pläne sich bislang konkretisiert hätten.